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Selbstständigkeit - kein Traumjob für jedermann

Es gibt zahlreiche gute Gründe dafür, sich selbstständig zu machen. Entscheidungen in Eigenverantwortung zu treffen oder eigene Ideen umzusetzen, sind nur zwei Beispiele. Wer jedoch eine eigene Existenz gründen möchte, um sein eigener Chef zu sein oder weil er denkt, dass er viel Geld verdienen kann und wenig arbeiten muss, sollte sich erst einmal über einige Punkte im Klaren werden.

Denn der Weg in die Selbstständigkeit ist nicht so einfach, wie landläufig von den meisten Menschen geglaubt wird. Risikobereitschaft und Leidenschaft alleine reichen nicht aus, um das eigene Unternehmen ins rollen zu bekommen. Bevor man sich für den Weg der Selbstständigkeit entscheidet, sollte man sich überlegen, ob man für die berufliche Selbständigkeit überhaupt geeignet ist. Ein Vergleich der eigenen Persönlichkeit mit erfolgreichen Unternehmern kann nicht schaden. Besitze ich genügend Selbstdisziplin, Zielstrebigkeit, Kreativität und Risikobereitschaft?

In den folgenden Zeilen werden die Vor- und Nachteile einer Selbstständigkeit aufgedeckt.

Vorteile der Selbstständigkeit

Selbstständige können ihre Ideen und Ziele besser verfolgen und verwirklichen, da sie sich nicht der Unternehmenshierarchie unterordnen müssen. Vorgaben und Richtlinien durch Vorgesetzte oder den Chef entfallen. Ebenso können Entscheidungen in Eigenregie getroffen werden, Absprachen mit Kollegen oder Vorgesetzten sind überflüssig.

Bei entsprechendem Fleiß kann ein wesentlich höheres Einkommen erzielt werden. Während man in einem Betrieb nach seinen geleisteten Stunden oder nach Tarif bezahlt wird, haben Selbstständige Chancen auf bessere Verdienstmöglichkeiten, so dass man für seine eigene Leistung auch den Gewinn erntet. Dementsprechend steigt auch die Arbeitsmotivation.

Viele Angestellte haben unter Mobbing oder einem cholerischen Chef zu leiden, auch dies ist ein Punkt, der für die Selbstständigkeit spricht. Viele Selbstständige arbeiten in ihrem Heimbüro zu Hause, was in den meisten Fällen ein großer Vorteil ist. So entfallen lange Wege zum Arbeitsplatz. Ebenso kann man die Arbeitszeiten selbst bestimmen, wobei es hier nicht darum geht, zu denken, dass man weniger arbeiten kann. Es geht darum, dass man seine kreativste Zeit optimal nutzen kann. Pausen sind dann möglich, wenn sie benötigt werden und nicht dann, weil sie auf dem Dienstplan vorgeschrieben sind.

Selbstständigkeit ist im Vergleich zur Arbeitslosigkeit die weitaus bessere Alternative. Allerdings sollte bei drohender Arbeitslosigkeit nicht vorschnell gehandelt werden.

Natürlich hat die Selbstständigkeit auch einige Schattenseiten.

Nachteile der Selbstständigkeit

Im Gegensatz zu Angestellten verfügen Selbstständige über kein festes, planbares Einkommen. Besonders in der Anfangsphase, wenn noch keine regelmäßigen Aufträge vorliegen, ist ein gewisses finanzielles Polster von Vorteil. Das Heranholen neuer Aufträge kann dazu führen, dass der Jungunternehmer psychisch unter großem Druck steht.

Hinzukommt das finanzielle Risiko, dass allein der Unternehmer zu tragen hat. Oftmals haftet er auch, je nach gewählter Rechtsform, mit seinem Privatvermögen.

Viele Angestellte scheuen vor dem Weg in die Selbstständigkeit zurück, da die soziale Absicherung fehlt. Durch Krankheit bedingte Auszeiten gehen voll zu Lasten des Selbstständigen. Beiträge für eine Krankenversicherung müssen selbst gezahlt werden.

Auch für die Altersvorsorge ist der Unternehmer selbst verantwortlich. Hinzukommen in der Regel längere Arbeitszeiten als bei Angestellten. Viele Selbstständige berichten über 50-60 Stunden pro Woche. Unter diesem Arbeitspensum kann eventuell das Privatleben leiden.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Der erste Schritt in die Selbstständigkeit ist die Geschäftsidee. Schon an diesem Punkt schleichen sich die ersten Denkfehler ein oder es werden voreilige Entscheidungen getroffen. Man muss sich stets die Frage stellen, ob die Idee auch wirklich erfolgversprechend ist. Wird eine größere Summe Geld benötigt, um den Traum zu verwirklichen? Wenn ja, wie sieht es mit einem Startkapital aus? Müssen Fördergelder beantragt werden? Werden spezielle Fähigkeiten vorausgesetzt? Benötige ich einen Meisterbrief? Muss ich ein Ladenlokal oder Büro anmieten?

Über eines sollte man sich jetzt besonders große Gedanken machen, nämlich um die Frage, ob die Geschäftsidee wirklich so erfolgversprechend ist, oder ob es sich nur um eine fixe Idee handelt. Um herauszufinden, ob man eventuelle eine Marktlücke entdeckt hat und wie die beruflichen Chancen stehen, sollte man im Vorfeld einen Unternehmensberater aufsuchen. Am Besten geeignet sind Berater, die aus der Praxis kommen und sich mit der entsprechenden Branche auskennen. Der Unternehmensberater wird bei der Umsetzung der Geschäftsidee weiter helfen und beraten. Fehler in der Planungsphase wird er frühzeitig ausräumen.

Als Nächstes muss ein Businessplan erstellt werden, in dem die Geschäftsidee ausführlich erörtert wird. Das Geschäftsvorhaben wird in Bezug auf Ziele, Vorgehen, Produktion, Vertrieb und Finanzierung des Produktes oder der Dienstleistung genau dokumentiert.

Dieser Plan muss so ausführlich sein, dass sich mögliche Investoren ein genaues Bild von den Chancen und Risiken des Unternehmens machen können. Die Geschäftsidee und das Schreiben des Businessplans sind mit keinem finanziellen Aufwand verbunden, dennoch ist der Schritt in die Selbstständigkeit meist eine Kostenfrage.

Da viele Existenzgründer sehr jung sind, verfügen sie meist nicht über finanzielle Rücklagen, um ihren Plan zu verwirklichen. Banken bieten für Existenzgründer spezielle Jungunternehmer-Darlehen an. Für diesen Antrag wird ein Businessplan benötigt.

Neben den Banken kann man sich auch an staatliche Einrichtungen wenden, wie beispielsweise an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales oder das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, die über eine umfangreiche Datenbank über Förderprogramme durch Bund, Länder und EU, führen.

Neben den genannten öffentlichen Stellen können sich Jungunternehmer auch an private Investoren wie die Business Angels wenden, die unter Umständen Eigenkapital zur Verfügung stellen und einen Teil des Risikos übernehmen. So ist in der Anfangsphase für finanzielle Sicherheit gesorgt. Die Business Angels sind an Unternehmen mit hohem Wachstumspotential interessiert, da sie später meist ihre Firmenanteile verkaufen.

Hat die Bank oder ein privater Investor erst einmal Geld zur Verfügung gestellt, sollte der Jungunternehmer auf eine sorgfältige Buchführung achten. Hinzukommt, dass im Vorfeld entschieden werden muss, mit welcher Rechtsform das Unternehmen eingetragen werden soll. Die Bekannteste ist die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung). Die Gesellschafter haften mit der Höhe des eingebrachten Geschäftanteils, das bei 25.000 Euro liegt. Neben der GmbH sind die OHG (Offene Handelsgesellschaft) oder die KG (Kommanditgesellschaft) möglich. Ist der Betrieb als KG eingetragen, haftet nur ein Beteiligter inklusive seines Privatvermögens vollständig gegenüber seinen Gesellschaftsgläubigern. Für die Gründung einer OHG ist kein Mindestkapital nötig, allerdings haften alle Gesellschaftler inklusive ihres Privatvermögens.

Wenn alle Fragen geklärt sind, stehen einem Jungunternehmer die Türen zur Selbstständigkeit offen.