Boreout-Syndrom – Faulheit oder Krankheit?

Als noch schlimmer entpuppen sich Arbeitstage, wenn nicht genügend Arbeit zu verrichten ist. Traumhafte Zustände, denken Sie? Von wegen, denn diese Faulenzerei kann sich schnell zum Albtraum entwickeln und sogar Depressionen auslösen.
Für dieses Phänomen hat sich bereits ein Name gefunden: das Boreout-Syndrom.
Das Burnout-Syndrom kennt mittlerweile Jeder, weil es in vielen großen Unternehmen ein ernst zu nehmendes Problem ist. Aufgrund von ständiger Überforderung und Stress kommt es zu einem völligen Erschöpfungszustand, der auch körperliche Beschwerden zur Folge hat. Am Burnout-Syndrom Erkrankte sind meist für mehrere Monate von der Bildfläche verschwunden, da die Genesungsphase sehr lange dauert.
Das Boreout-Syndrom ist im Prinzip das genaue Gegenteil vom Burnout-Syndrom. Boreout ist ein Verhaltensmuster und zeichnet sich aus durch Langeweile, Unterforderung und Desinteresse. Das Syndrom kann auch dann auftreten, wenn über einen langen Zeitraum Arbeiten ausgeführt werden müssen, die scheinbar keinen Nutzen haben.
Sinnlose Tätigkeiten finden sich besonders häufig in Büros, wenn Aktenberge von links nach rechts geschoben werden, Statistiken geschrieben werden oder einfach Zahlen in die Tastatur getippt werden.
Laut einer Schweizer Studie leidet etwa jeder Zweite Arbeitnehmer unter dem Boreout-Syndrom. Im Gegensatz zum Burnout-Syndrom wird das Boreout-Syndrom jedoch nicht als psychische Krankheit angesehen. Schlimmer noch, Experten sind sich nicht einig, ob es sich beim Boreout schlicht und einfach um Faulheit handelt. Betroffene sind nicht einfach faul, sondern wurden aufgrund ihrer Tätigkeiten faul gemacht.
Tatsächlich ist es so, dass nur ein Teil der Beschäftigten unter der Langeweile leidet. Zahlreiche Arbeitnehmer haben das Nichtstun für sich entdeckt, spielen ihren Kollegen vor, wie gestresst sie sind und wirken auf ihre Außenwelt immer so, als hätten sie genug zu tun. In Wirklichkeit erledigen sie Privates oder Surfen einfach im Internet.
Arbeitnehmer, die unter der Unterforderung leiden, klagen am Abend über Müdigkeit, weil sie das Gefühl haben, nichts geschafft zu haben. Personalleiter sollten sich über die Problematik des Boreout-Syndroms im Klaren sein, denn ein desinteressierter Mitarbeiter kann für das Unternehmen wirtschaftlichen Schaden bedeuten. Die negative Stimmung von unmotivierten Mitarbeitern färbt sich leicht auf deren Kollegen ab.
Motivierte und zufriedene Mitarbeiter sind deshalb für einen erfolgreichen Betrieb eine zwingende Voraussetzung. Wichtig bei der Personalführung sind darum regelmäßige Mitarbeiterbesprechungen, um herauszufinden, ob die Mitarbeiter mit ihrem Job zufrieden sind.
Welche Elemente tragen zum Boreout-Syndrom bei?
Das Boreout-Syndrom zeichnet sich durch Langeweile, Desinteresse und Unterforderung aus. Unterforderung sollte bei der Aufgabenverteilung vermieden werden und wenn überhaupt nur über einen kurzen Zeitraum stattfinden. Bei der Unterforderung kann man zwischen der qualitativen und quantitativen Unterforderung unterscheiden. Bei der qualitativen Unterforderung wird dem Arbeitnehmer langweilige und unterfordernde Arbeit aufgetragen. Das eigentliche Wissen des Mitarbeiters wird nicht in Anspruch genommen, was folglich frustrierend für ihn ist.
Bei der quantitativen Unterforderung ist einfach nicht genügend Arbeit für den Angestellten vorhanden. So verbringen Mitarbeiter etwa zwei Stunden am Tag mit Privatgesprächen oder Surfen im Internet.
Durch die ständige Unterforderung entwickelt der Mitarbeiter ein wachsendes Desinteresse gegenüber seiner zu verrichtenden Tätigkeiten sowie dem Arbeitgeber. Es stellt sich die Frage nach dem Sinn der Tätigkeit. Außerdem kann der vom Boreout-Syndrom Betroffene nicht verstehen, warum dem Chef und anderen Mitarbeitern die Arbeit Spaß macht.
Zu guter Letzt kommt es beim Boreout-Syndrom zu Langeweile, die durch den Arbeitsmangel ausgelöst wird. Aufgrund der Tatsache, dass der Mitarbeiter weiß, dass er arbeiten muss, gerät er jetzt mächtig unter Druck. Schließlich wird er für seinen Job bezahlt. Um seinem Umfeld vorzugaukeln, viel zu tun zu haben, beschäftigt sich der Arbeitnehmer mit privaten Angelegenheiten oder surft im Internet. Irgendwie muss er schließlich die Zeit herum bekommen, allerdings sinkt jetzt die Motivation, seiner Arbeit nachzugehen, Richtung Nullpunkt.
Die Gründe des Boreout-Syndroms
Vom Boreout-Syndrom sind in der Regel Arbeitnehmer betroffen, die ihre Arbeitszeit am Schreibtisch verbringen. Die Arbeitszeiten können oftmals selbst bestimmt werden und erledigte Tätigkeiten werden vom Vorgesetzten nicht überprüft. Liegt kein offizieller Arbeitsplan vor, werden Aufgaben gerne in die weite Ferne geschoben.
Erarbeitete Resultate sind weniger sichtbar als beispielsweise bei einem Job auf dem Bau. Hinzu kommt die heutige weltweite Digitalisierung. Ein großer Teil der zu verrichtenden Arbeiten werden über das Internet getätigt. Für den Mitarbeiter bietet das Internet selbstversrändlich ein willkommene Abwechslung. Jeder, der sich mit dem Surfen im Internet beschäftigt weiß, wie schnell die Zeit am Rechner vergeht.
Als weiterer Grund für das Boreout-Syndrom kommt die Wahl des Berufes in Frage. Entspricht der Job nicht den eigenen Vorstellungen, sind Desinteresse und Langeweile vorprogrammiert.
Wie kann man sich vor dem Boreout-Syndrom schützen? Um herauszufinden, ob Mitarbeiter desinteressiert oder gelangweilt am Arbeitsplatz erscheinen, liegt es am Personalchef, das Personal gut zu beobachten. Die Spuren der Angestellten im Internet zu verfolgen, ist nicht der richtige Weg, da so das Vertrauen zu den Angestellten in Gefahr ist. Verdächtig ist es jedoch, wenn der Mitarbeiter keinen Blick auf seinen Computer zulässt, häufig mit Kollegen Privatgespräche führt oder auffallend oft eine Rauchpause einlegt. Desweiteren sollte ein Auge auf Kollegen geworfen werden, die bei Mitarbeiterbesprechungen auffällig ruhig sind und selten Verbesserungsvorschläge einbringen. Arbeitnehmer sollte selbst darauf achten, ob ihnen der Job liegt oder nicht. Bei den ersten Anzeichen von Boreout sollte ein Gespräch mit dem Personalleiter stattfinden. Eine Veränderung des Aufgabengebietes oder eine andere Verteilung können dem Angestellten helfen. Auch eine Änderung der Arbeitszeit kommt in Betracht. Besteht die Möglichkeit einer zusätzlichen Aus- oder Weiterbildung? Oder kann man sich innerhalb des Unternehmens versetzen lassen? Wenn alle Maßnahmen nicht helfen oder nicht umgesetzt werden können, sollte über einen Wechsel des Arbeitgebers nachgedacht werden. Denn wer erst einmal anfängt, unter der Langeweile zu leiden, begibt sich in Gefahr, an einer depressiven Verstimmung oder sogar Depressionen zu erkranken. Seien Sie aufmerksam und beobachten Sie Ihr eigenes Verhalten am Arbeitsplatz und das Ihrer Kollegen.











